Alles eine Frage der Relation


Ihr Lieben,

ich gebe es ehrlich zu, ich habe ein Problem damit, wenn ich an einem Bettler vorbei gehe. Meistens schaue ich schnell in eine andere Richtung und bin froh, wenn er aus meinem Blickfeld entschwindet. In mir kämpfen während dieser vermutlich nicht mehr als 1 – 2 Minuten heftige Gefühle und Gedanken miteinander. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich nichts gegeben habe, aber meine Gedanken sagen mir, der müsste doch dort gar nicht knien, in unserem Land muss ja keiner hungern, und obdachlos müsste auch keiner sein. Dann regt sich wieder das schlechte Gewissen, das mir zuflüstert, dass ich mich doch nicht so anstellen soll, für welchen Unsinn ich sonst oft Geld ausgebe. Das stimmt. Hier noch ein paar Ohrringe, obwohl ich schon 30 verschiedene zuhause habe, oder das zwanzigste Halstuch, ein Nagellack oder ein Haarband, das ich dann doch nie trage.

Nun habe ich, weil ich wirklich gerne helfen möchte, etwas für die Menschen in Nepal gespendet.  Doch als ich heute einen Brief von der Polizei erhalten habe, die mir anheimstellte, ich sollte doch lieber das Verwarngeld für zu schnelles Fahren bezahlen, habe ich auch wieder darüber nachgedacht, in welchen Relationen wir denken und leben. Das, was ich zahlen muss übersteigt die Summe, die ich gespendet habe.

Es ist doch oft der Fall,  dass wir es so empfinden, als wäre es nie genug. Es gibt so viele Menschen, die Hilfe brauchen. Ich würde am liebsten allen helfen, aber das übersteigt leider meine Möglichkeiten. Allein dafür hätte ich einen triftigen Grund, weshalb ich gerne superreich wäre.

Und die, die es wirklich sind, werden in den Himmel gelobt, wenn sie etwas von ihren unzähligen Milliarden abgeben. Sie können diese Summe, die sie besitzen, gar nie ausgeben und ihre Spende ist wahrscheinlich nicht sehr viel für sie. Aber dennoch kann man mit viel Geld auch viel bewirken.

Berichte über Menschen, denen in einer besonderen Notlage geholfen wurde, weil sehr viele Menschen ein klein wenig von ihrem Geld gegeben haben, bewegen mich immer besonders. Denn es macht deutlich, dass es nicht immer viel sein muss, um etwas zu verändern, aber viele Menschen haben die Macht, das gemeinsam zu tun.

Deshalb wäre es besser für mein Seelenheil und meinen inneren Frieden, wenn ich den Gedanken, dass es sowieso nie genug ist, aufgeben würde und statt dessen einfach etwas abgebe mit dem Wissen, dass auch eine kleine Hilfe zu einer großen werden kann.

Früher gaben die Menschen den „Zehnt“ an die Kirche, weil sie sich damit von ihren Sünden loskaufen wollten. Auch heute noch liest man in manchen Büchern, in denen es darum geht, sein Vermögen auf wundersame Weise zu vermehren, dass wir eben diesen Teil unseren Einkommens für einen guten Zweck spenden sollten. Ob das wirklich zum erhofften Resultat führt, kann ich mangels Erfahrung nicht beurteilen.

Aber eines weiss ich, dass allein die Bereitschaft, etwas mit anderen zu teilen mich selbst reicher macht. Mir wurde selbst schon oft geholfen, deshalb tut es mir auch nicht weh, wenn ich etwas für einen anderen gebe oder tue, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Eure Ashanar

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