Ich wünschte, mir wäre langweilig

  
Hallo Ihr Lieben,

Ihr kennt sicher auch den Spruch „Ausruhen kann ich mich noch, wenn ich tot bin“.  Das sagen oft Menschen, die in einer Tour beschäftigt sind und deren Terminplan aus allen Nähten platzt. 

Meine Kinder machen mir deutlich, dass ich wieder einmal einen Gang zurückschalten sollte. Sie sagen andauernd: „Mir ist langweilig.“ Und ich erwidere dann, dass ich froh wäre, wenn mir mal wieder langweilig wäre.

Es ist ja nicht nur so, dass ich ständig etwas zu tun habe, sondern sogar dann, wenn ich mich „ausruhe“, bin ich in Gedanken schon wieder mit etwas befasst, das ich noch erledigen muss.

Wir MÜSSEN  ständig etwas müssen, wir können uns dem gar nicht entziehen. Wir müssen morgens rechtzeitig aufstehen, damit wir pünktlich zur Arbeit kommen. Wir müssen unsere Arbeit erledigen, sonst bekommen wir Stress mit dem Chef. Wir müssen unsere Rechnungen bezahlen, wir müssen einkaufen, den Haushalt erledigen, planen, uns um unsere Freundschaften kümmern, wenn sie uns erhalten bleiben sollen. Es gibt kein Feld in unserem Leben, in dem wir nicht etwas tun müssten.

Und so kommt es, dass wir gar nicht mehr bemerken, dass wir von einer Tätigkeit in die nächste übergehen, wir wollen alles so schnell wie möglich erledigen, damit wir dann endlich Zeit für uns selbst haben. Wenn es am Wochenende nicht klappt, dann verlegen wir unsere wohlverdiente Pause eben auf den Urlaub und wenn der Urlaub zu kurz ist, haben wir ja noch die Aussicht auf die Rente, wenn wir endlich, endlich Zeit haben, das zu tun, was wir am liebsten machen wollen und nicht was wir müssen.

Heute nehme ich mir bewusst einfach einmal nichts vor, ich mache bewusst nicht das, was ich eigentlich MÜSSTE. Nein, ich weigere mich, ich vertrödele Zeit mit unwichtigen Dingen, verschiebe Anrufe, lasse den Papierkram und die Rechnungen links liegen und liege einfach nur faul auf dem Sofa.

Vielleicht stellt sich ja so die lange vermisste Langeweile wieder ein?

Wenn man immer das Gefühl hat, noch mehr und noch besser zu werden, sich mehr zu fordern, alles zu erledigen, verpasst man unversehens das Leben, denn wir werden niemals mit allem fertig. Es kommen immer neue Aufgaben, immer neue Herausforderungen hinzu. 

Da hilft es nur, sich einmal ganz aus allem herauszuziehen, ganz absichtlich nicht mehr mitzumachen, sondern ganz einfach an sich selbst zu denken, etwas zu tun, worauf man gerade Lust hat und nicht, was jetzt richtig wäre und was man eigentlich MUSS.

Ich will nichts mehr müssen, sondern möchte nur noch etwas wollen, ich habe keine Lust mehr zum Sollen, sondern beschränke mich aufs Sein, aufs Leben.

Es wird niemanden interessieren, ob Du immer Deine To-Do-Listen und Deine Pläne erfüllt hast, es macht keinen Unterschied, ob Du sagen kannst, Du hast Dein Ziel erreicht, denn danach findest Du wieder ein neues und noch ein neues und so weiter. 

Wichtig ist am Ende, ob Du Dein Leben mit dem Leben gefüllt hast, das Du wirklich leben wolltest. Wichtig ist nur, ob Du sein konntest, wer Du sein wolltest. Wichtig ist nicht, ob Du immer alles getan hast, was Du tun solltest oder musstest, sondern, ob das, was Du getan hast, das war, was Dir entsprochen hat. Wir können nicht immer alles auf später verschieben, die Pausen, die Erholung, den Spass…es ist genau jetzt die Zeit dafür, das zu tun, was uns gut tut, was unser Herz öffnet. 

Jedes „Du musst“ ist ein Anzeichen dafür, dass Du etwas gegen Deinen Willen tust. Solange Du nicht sagen kannst „Ich möchte“, stehst Du unter Zwang und wirst Dich nicht selbstbestimmt und frei fühlen.

Und dabei ist doch Freiheit neben Liebe und Freude und Spass einer der Gründe, weshalb wir hier sind.

Es ist unser Recht, unser Glück in dem zu finden, was wir tun. Es kann Freude machen, zu tun, was wir tun. Es ist unsere Entscheidung, unser Leben auch in den kleinen Dingen so zu gestalten, dass wir uns damit wohl fühlen.

Eure Ashanar

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