Wendepunkte und Schnittstellen

  
Ihr Lieben,

ich möchte Euch eine kleine Geschichte erzählen, die Euch zeigt, wieviel Worte verändern können.

Ich habe lange Zeit in München gelebt, meiner Herzensstadt, wie ich sie liebevoll nenne, weil ich mit ihr so viele schöne, wunderbare Erinnerungen verbinde. Dadurch war ich von meiner Heimat und meiner Familie immerhin über 3 Stunden Autofahrt entfernt. Doch dann bin ich einem Menschen begegnet, der mit einem einzigen Satz etwas in mir in Bewegung setzte, das mich darin bestärkte, wieder in meine Heimat zu ziehen. Er sagte: „Wenn ich solche Eltern hätte, wie Du, würde mich hier nichts mehr halten.“

Dieser Satz brachte etwas in mir zum Klingen und ich setzte Hebel in Bewegung, die mir die Türen für die Heimkehr öffneten. Alles ging auf einmal wie von selbst. Und gar nicht lange Zeit später lebte ich wieder in dem kleinen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, nur um noch einige Zeit später, wieder fort zu ziehen.

Auch da waren es wieder Worte, die über meine weitere Zukunft entschieden.

Und wenn ich darüber nachdenke, sind es immer ausgesprochene oder gedachte Worte, die den Entscheidungen, die wir fällen, vorangehen. Wir sagen uns, dass diese oder jene Sache jetzt so ist und wir sie so nicht mehr haben wollen. Wir wollen etwas anderes, wir finden einen Grund für unser bewusstes, gezieltes Handeln.

Was wir mit diesen Worten auslösen, sind Wendepunkte in unserem Lebenslauf. Wir bewegen uns weg von dem, was wir bisher als richtig und gut empfunden haben, um etwas anderem eine höhere Priorität einzuräumen. Manchmal erscheint uns ein solcher Wendepunkt als Bruch, als schmerzhafter Einschnitt, bei dem wir vieles verlieren, zum Beispiel die vertraute Umgebung, Menschen, die uns ein Stück weit begleitet haben, Gewohnheiten oder auch Vorstellungen, wie unser Leben sein sollte (aber in Wahrheit gar nicht ist).

Ja, es ist richtig, dass wir in diesen Momenten viel loslassen müssen. Aber wir gewinnen auch immer etwas: Wir erhalten eine neue Freiheit, viele neue Eindrücke, wir lernen uns selbst wieder vertrauen (wenn es bisher mehr die anderen waren, auf die wir vertrauten). Dann, wenn wir an einem solchen Wendepunkt angelangt sind, schaffen wir auch gleichzeitig Schnittstellen für neue Verbindungen, für neue Kontakte, neue Möglichkeiten.

Dort, wo nichts mehr geht, kann erst wieder etwas laufen, wenn wir uns aus den zu engen Verstrickungen herausbewegen, wo wir selbst sie lösen und uns einen eigenen Weg suchen. So wird eine Entscheidung, die unser weiteres Leben beeinflusst auch immer eine Möglichkeit, Neues einzuladen, uns wieder zu öffnen für das Leben selbst.

Wir wissen nicht, was es uns bringt, morgen, in einem Monat, in einem Jahr. Es ist wie das Meer, das Muscheln, Steine und Treibholz anspült, das dann am Strand liegenbleibt. Wir können uns bücken und die Muscheln aufheben, ihnen eine Bedeutung geben. Oder wir werfen sie zurück ins Wasser, wo sie wieder vom Meer fortgetragen werden und sie werden bedeutungslos.

Das ist das Leben – es schenkt uns viele Chancen, viele Gelegenheiten. Wir selbst können dann nach ihnen greifen oder sie ungenutzt vorbei ziehen lassen. Wir können neue Knoten knüpfen, alte lösen, wir können uns befreien, wir können aber auch entscheiden, dass wir uns in unserem Netz, in dem wir uns befinden, sehr wohl fühlen. Alles ist möglich, jeder Gedanke, jedes Wort erhält dann Wichtigkeit, wenn wir sie ihm geben.

Eure Ashanar

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