Vom Sinn und Unsinn unserer DINGE


Ihr Lieben,

seinem Leben einen Sinn zu geben, etwas zu tun, worauf man stolz sein kann, etwas geschafft zu haben…warum tun wir das eigentlich?

Gerade in der letzten Zeit erlebe ich hautnah mit, wie sich die Lebensbilder, die Lebenswege von Menschen, die mir sehr nahe sind, gravierend verändern. Sei es durch berufliche Veränderung, Beziehungen, die auseinanderbrechen oder durch Krankheit. Es ist dann so, dass der Alltag, die ganze Struktur, auch das Denken und Fühlen, eine andere Form annimmt. Das, was sich diese Menschen vorgenommen haben, was sie sich vorstellten, wie sie künftig leben würden, wird völlig über den Haufen geworfen. Etwas, das sie gerne noch tun wollten, geht plötzlich nicht mehr, oder das, was sie bisher noch nie gemacht haben, wird auf einmal unumgänglich.

Ist es dann nicht vielleicht besser, wenn man sich erst gar nichts vornimmt, sondern alles einfach auf sich zukommen lässt? Es würde sich viel entspannter und weniger hektisch leben lassen, hätten wir nicht immer im Hinterkopf, dass wir etwas leisten, etwas bringen, etwas tun müssen, um etwas zu werden, etwas zu erreichen, etwas zu bekommen.

Müssen wir wirklich ein Haus besitzen, für das wir ein Leben lang arbeiten, uns nicht viel anderes mehr leisten können, immer wieder rechnen müssen – nur um später, wenn die Kinder groß sind, festzustellen, dass auch das Haus viel zu groß geworden, der Garten viel zu viel Arbeit macht und man eigentlich viel lieber etwas anderes tun würde, als nur das Haus zu hüten?

Genauso könnte man auch einmal in Frage stellen, ob wir wirklich all das, was wir um uns herum sehen, wirklich brauchen. Benötigen wir wirklich all die Fernseher, neusten Handys, Computer, Laptops, Fitnessuhren, Elektrobikes, Rasenmäherroboter und selbsttauenden Gefriergeräte in überdimensionalen Ausmassen?

Es ist doch so, dass wir, je mehr wir haben, auch immer mehr dafür arbeiten müssen. Wir müssen den Standard halten, wir müssen uns immer noch verbessern, womöglich noch in Wettkampf mit dem Nachbarn, der schon längst Kreuzfahrten auf allen Meeren, immer noch ein größeres Auto und selbstverständlich den besten Grill vorweisen kann, treten. Dazu sollen es natürlich die Kinder einmal besser haben, sie sollen den tollsten, bestbezahltesten Beruf haben, der krisensichest mit und möglich hohem Ansehen ausgestattet sein soll.

Aber was bei all dem größer, besser, höher und weiter auf der Strecke bleibt, sind wir selbst.

Mit all dem Material und den Dingen, die uns antreiben, weil wir sie am Laufen halten müssen, weil wir den Standard halten müssen, um mithalten zu können, werden wir aber nicht glücklicher, sondern stellen fest, dass wir immer mehr in Abhängigkeit geraten, für den Fall, dass einmal eine Situation auftritt, in der irgend eine gewohnte Technik ausfällt. Eine kaputte Waschmaschine oder ein streikendes Navi können bereits größere familiären Katastrophen auslösen. Oder wenn ein Freund auf eine Nachricht bei Whatsapp nicht gleich antwortet, unterstellt man ihm sofort mangelndes Interesse oder glaubt, er hätte sich von uns abgewendet.

Wir sind so sehr durch all diese Dinge fixiert und unmerklich ferngesteuert, dass wir gar nicht mehr ohne sie leben oder denken können. Ich finde die Frage immer wieder lohnenswert, was ich wohl mitnehmen würde, wenn ich nur 10 Minuten Zeit hätte, um mich zu entscheiden. Was wäre es wirklich, das für mich von Bedeutung wäre: Fotos der Kinder, Bilder oder besondere Erinnerungsstücke an liebe Menschen?

Vieles, was wir haben, ist angenehm, macht uns das Leben leichter, aber andererseits auch schwerer, weil wir nicht frei sind. Wir haben all das und müssen es mit uns nehmen, wenn wir zum Beispiel umziehen. Dann bemerken wir erst, wie viele Dinge wir angesammelt haben, die wir nie mehr benutzt haben. Aber sie waren uns ja einmal wertvoll und wichtig, sonst besässen wir sie nicht mehr.

Doch wir mussten, um all das anzuhäufen, viel arbeiten, um viel Geld zu verdienen, um es dann dafür auszugeben. Wenn wir uns darauf besinnen, was wirklich, ich meine WIRKLICH wichtig ist, dann sind es nicht die materiellen Dinge, sondern es sind Menschen, die Beziehungen, die wir zu ihnen haben, es sind Erinnerungen an schöne Erlebnisse. All das nehmen wir mit uns, nicht wie Ballast, sondern wie einen wahren Schatz.

Es ist viel leichter, etwas einfach zu kaufen und dann zu besitzen, als es wieder her zu geben. Es gibt eigentlich nur einen Grund, dass wir etwas kaufen: weil wir es haben wollen, aber sehr viele, weshalb wir etwas behalten, obwohl wir es nicht mehr benötigen. Wir glauben, dass wir es eines Tages doch noch einmal brauchen werden, wir warten auf eine günstige Gelegenheit, es wenigstens mit geringem Wertverlust noch zu verkaufen. Oder wir scheuen uns, es zu verschenken, weil unser altes Zeug sowieso niemand haben möchte.

Aber mit jedem Kauf tauschen wir unsere Arbeitszeit und damit Lebenszeit gegen das ein, was wir dann für eine lange Zeit mit uns herumschleppen. Und weil wir einfach nicht wissen können, was uns im Lauf des Lebens alles begegnet, welche Veränderungen, welche Umwege oder Abkürzungen wir nehmen, wissen wir auch nicht, ob all diese materiellen Dinge für uns auch wirklich von dauerhaftem Nutzen sind.

Stellen wir uns einmal einen Architekt vor, der ein Haus plant. Er beginnt ja nicht, indem er einfach einen Strich nach dem anderen zieht und dann Berechnungen anstellt, sondern er hat bestimmte Vorgaben des Bauherrn, die er erfüllen muss. Das Ergebnis steht somit bereits fest, nur der Plan, um das Haus zu bauen, fehlt noch. Genauso sollten wir uns unser Leben betrachten. Wir sollten uns darüber klar werden, was wir tun, was wir er-leben wollen. Wir sollten uns darüber Gedanken machen, was uns wirklich wichtig ist, um dann eben nicht Strich für Strich zu Papier zu bringen, wieder weg zu radieren, etwas Neues zu zeichnen, nur um auch diesen Entwurf zu zerknüllen und wegzuwerfen.

Je klarer wir darüber sind, welche Werte, welche Träume, welche Erinnerungen wir uns selbst schaffen wollen, desto klarer wird auch unser Lebensplan. Niemand anderes außer uns selbst zeichnet ihn. Wie voll wir dann die Räume stellen, mit welchen Dingen wir durchs Leben gehen, das entscheiden wir ebenfalls selbst.

Aus einer höheren und größeren Perpektive betrachtet, ist das Leben wie ein Spielplatz. Wir können uns in jede nur erdentliche Richtung begeben, können alles ausprobieren, können Neues wagen, von vorn anfangen, so oft wir wollen. Doch oft wagen wir nicht, etwas anderes zu tun, als das, was wir schon immer getan haben, weil wir nicht versagen wollen. Deshalb ist es bequemer und einfacher, es so zu tun, wie alle anderen. Als Ziel den Besitz anzusehen, den wir anhäufen, statt den Besitz in der Liebe des Herzens, den Erfahrungen, den wirklich gelebten Träumen zu sehen.

Eure Ashanar

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