Ärger über andere

Hallo Ihr Lieben,
neben vielem anderen, das meine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, hat mich etwas ganz besonders beschäftigt.

Wie gehe ich mit Menschen um, die mich an meine Grenzen bringen, über die ich mich ärgere und die ein Verhalten an den Tag legen, das ich nicht verstehe?

Ich bin wie Ihr auch, ein Mensch. Ich bin weder irgendwie abgehoben oder weiser als Ihr, noch bin ich besonders erleuchtet. Also habe ich mich in verschiedenen Situationen auch ganz genau wie jeder Mensch verhalten: Ich habe mich geärgert, ich habe mich zurückgezogen, ich habe mich versucht, innerlich abzugrenzen.

Und doch ist da eine leise Stimme in mir, die sagt, dass ich vielleicht nicht die ganze Wahrheit kenne, dass ich den Menschen, über den ich so reagiere, gar nicht wirklich verstehen kann, weil ich nicht weiss, warum er sich so verhält. Doch genau dieses Verhalten verursacht doch ganz oft die Distanz zwischen Menschen, die dazu führt, dass wir einander nicht mehr nah sind, dass wir andere verurteilen und ihnen einen Stempel aufdrücken und sie in eine Schublade stecken.

Doch diese leise Stimme in mir sagt, dass auch in meinem Gegenüber ein Mensch steckt, der ein Herz hat, der eine Seele hat, der sich nach Liebe und Anerkennung sehnt. Mein Ärger hat mit dem anderen nur in soweit etwas zu tun, dass dieser genau meine eigenen wunden Punkte trifft.

Wo also liegen in dieser Situation meine Schwachstellen? Warum reagiere ich mit Ärger und Abgrenzung?

Wenn ein Mensch sich anders verhält als so, wie wir finden, dass es richtig wäre, also auf eine bestimmte, für uns annehmbare Weise, lehnen wir dieses Verhalten ab, weil in uns noch etwas steckt, eine Art Stachel, der wieder drückt, wenn wir dieses Verhalten wahrnehmen. In meinem Fall zeigt mir das Verhalten des anderen Menschen, dass ich ihn darin nicht annehmen kann, wie rücksichtslos, wie egoistisch und wie über-selbstbewusst er ist. Und genau das sind also die Schwachstellen, die mir zeigen, dass ich zu wenig rücksichtslos, zu wenig egoistisch und zu wenig selbstbewusst bin.

Sicher sagt Ihr jetzt: „Halt, wieso sollte man sich wünschen, rücksichtslos zu sein? Das ist doch keine erstrebenswerte Eigenschaft!“
Stellt Euch Rücksichtslosigkeit einmal auf einer Skala vor, die einen Minus-und einen Plusbereich anzeigt. In der Mitte befindet sich Null, das wäre die neutrale Zone. Alles, was sich in der neutralen Zone befindet, berührt uns nicht. Jedes Gefühl, das nun einen für uns negativen Ausschlag aufweist, braucht in uns einen Ausgleich auf der Positivseite. Oder anders gesagt: Alles, was ich in einem anderen Menschen ablehne, habe ich in mir zu wenig bzw. zu viel.
So einfach ist das.

Natürlich soll ich nicht ebenfalls in die negative Zone gelangen mit meinem Verhalten, jedoch kann jede Eigenschaft immer auch einen positiven Kern haben.
Diesen gilt es aufzuspüren und sich bewusst zu machen, dass mir hier „etwas fehlt“ oder im Übermass vorhanden ist.
Dieses Etwas zu integrieren ist die einzige Art und Weise, dass andere Menschen eben nicht mehr unsere schwachen Punkte treffen, weil sie nicht nun keine Schwächen mehr sind, sondern wir sie zu Stärken gemacht haben.

So kann ich auch das Verhalten, über das ich mich ärgere besser annehmen, denn auch die andere Person hat ein Manko – sie hat von dem, das mir fehlt, zu viel. Und sie wird mit ihrem Verhalten so lange auf Menschen stossen, die sich davon verärgert fühlen, bis auch sie selbst den Grund suchen werden, weshalb sich andere Menschen distanzieren und abwenden.

Wenn man die zwischenmenschlichen Probleme auf diese Weise betrachtet, kann man seinem Gegenüber gar nicht mehr böse sein. Er tut ja auch nur, was er tut, weil er nicht in der Mitte, in der neutralen Zone ist, sondern mit seinem Zuviel oder Zuwenig von etwas versucht, einen Ausgleich zu schaffen.

Deshalb – der Weg in die Mitte führt immer über die Selbsterkenntnis. Nicht die Anderen sind Schuld, nicht wir selbst sind Schuld, aber wir selbst tragen die Verantwortung für unser Verhalten und die Reaktionen, die wir dadurch hervorrufen und anders herum auch für unsere Reaktion auf das Verhalten anderer. Es liegt in unserer Hand, ob wir darüber klagen, dass andere immer wieder unsere wunden Punkte berühren und uns so vermeintlich Schmerz zufügen, oder ob wir diese Treffer als Hinweis erkennen, die uns zeigen, wo wir selbst noch etwas in uns stärken (oder abschwächen) dürfen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Alles (ist) Liebe
Eure Ashanar

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Ja zum Nein – oder warum Ärger gut ist

Hallo,
heute wurde ich wieder mit einer Situation konfrontiert, in der ich schnell entscheiden musste, ob ich etwas will oder nicht will.
Früher hatte ich oft Schwierigkeiten, etwas abzulehnen oder schnell genug zu fühlen, was ich selbst überhaupt möchte und habe dann zugestimmt, obwohl ich es später bereut habe.
Das passiert mir auch heute noch manchmal, dass ich aus Rücksicht auf andere meine eigenen Bedürfnisse hinten anstelle.
Ein gutes Indiz, dass das geschieht, ist Ärger!
Eigentlich wollen wir dieses Gefühl ja möglichst nicht haben, da es ein „schlechtes“ oder negatives Gefühl ist.
Aber wenn es dann mal da ist, ermöglicht es uns eine schnelle Reaktion. Ärger kommt ja nicht langsam, sondern immer mit Wucht und macht uns damit auf etwas aufmerksam, das wir nicht wollen.

Genau das ist die Funktion des Ärgers:
Unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu wecken!
Etwas fühlt sich nicht gut an.Dann habe ich die Möglichkeit, zu etwas einfach Nein zu sagen.

Ein NEIN zu jemand anderem ist immer ein JA zu mir selbst!

Die Situation heute hat mir gezeigt, dass ich, auch wenn es nicht immer klappt, auch einmal nein sagen kann, wenn sich etwas nicht richtig für mich anfühlt. Und ich muss mich nicht rechtfertigen. Ich kann einfach sagen: „Nein, ich möchte das nicht“.

Oft sagt man dann doch ja, weil man den anderen nicht vor den Kopf stoßen will, aber spätestens, wenn der Ärger ins Spiel kommt, kann man erkennen, dass das nicht das Richtige ist.

Wenn Du also merkst, dass Du oft ja sagst, wenn Du eigentlich nein sagen möchtest oder wenn Du Dich von anderen überrumpelt fühlst, weil Du so schnell gar nicht weißt, was Du willst, kannst Du es immer so machen:

1. Antworte mit: „Das muss ich mir erst überlegen“

2. Sage nein, wenn Du es nicht willst

Es ist besser, öfter nein zu sagen, denn ein späteres Ja wird eher akzeptiert als wenn Du erst ja sagst und dann später Ausreden finden musst.

Ganz wichtig: Tue nur, was DU wirklich willst!

Es hat keiner etwas davon, wenn Du halbherzig eine Verabredung triffst oder etwas zusagst, was Dir zuwider ist. Dann wird das nämlich nichts! Die Verabredung wird keinen Spaß machen und das, was Du zugesagt hast, wird wahrscheinlich nicht gut werden – und Dein Gegenüber wird Deine „Lüge“ durchschauen.

Ich finde, wir sollten einfach mutiger sein, uns weniger nach den Wünschen anderer richten und dafür mehr nach uns selbst.

Mir geht es viel besser damit. Und Dir?

Alles (ist) Liebe
Deine Ashanar

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